Betriebsstandort Früebüel (Walchwil ZG)

Die Einrichtungen auf dem Früebüel erlauben die Forschung an Aufzuchtrindern, Mutterkühen und Schafen in Gruppenhaltung im Stall und auf der Weide. Der Betrieb bietet sich dabei aufgrund seiner Höhenlage für die Bearbeitung von Fragestellungen im Zusammenhang mit Bergbetrieben und Voralp (Maiensäss) an. Zudem ermöglichen die Wildtiergehege Forschung an Damwild, welche sonst in der Schweiz nirgends möglich ist.

Fotos und Impressionen

Fotos mit Drohne am 22. August 2017 von Thomas Widmer und aufgearbeitet von Malgorzata Sitnik.

Informationen

Der landwirtschaftliche Betrieb «Früebüel» wird seit 1989 von der ETH Zürich als Forschungsstation geführt. Der Betrieb liegt auf dem Walchwiler Berg im Kanton Zug auf 1'000 m ü. M., die Betriebsfläche beträgt total 61.9 ha, davon 9.7 ha Naturschutzgebiet, 39.5 ha Futterfläche und 8.2 ha Wald.

Der Betrieb wird gegenwärtig vor allem für die Forschungstätigkeit mit Rindern und Mutterkühen genutzt, insbesondere im Zusammenhang mit der Ermittlung von Rahmenbedingungen für eine ökologische und effiziente Nutztierhaltung in Grünlandgebieten. Ausserdem kann hier in hervorragender Weise die Aufzucht von Versuchstieren unter vergleichbaren, kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden. Wegen der speziellen Lage in einer oekologisch interessanten, kleinräumig strukturierten Landschaft, bieten sich auch Möglichkeiten für andere Forschungsarbeiten, z.B. in den Bereichen Landschaftsökologie und Nachhaltigkeit an.

Es gibt Stallungen, in denen die Schafe mit Hütehunden vor und nach der Alpung untergebracht werden. Weiterhin gibt es ein Gebäude, das für die Haltung von kleinrahmigen Mutterkühen eingerichtet werden wird. Die Remise bietet Platz für die Nachzucht der Mutterkühe und für forschungsbedingte Fragestellungen mit Rindern.

Es ist ein Wildtiergehege von rund 6 ha für Damwild geplant, in dem je nach Forschungsfrage auch andere landwirtschaftliche Nischentiere wie exotische Rinderrassen, Yaks, Alt- und Neuweltkameliden u.a. gehalten werden können, wird zusammen mit einem Winterunterstand und Sommerunterständen erstellt. Neben den Stallungen stehen den Mitarbeitenden und Forschenden auch Wohnmöglichkeiten, Büroarbeitsplätze sowie einfache Laborflächen zur Verfügung.

Die Einrichtungen auf dem Früebüel erlauben die Forschung an Aufzuchtrindern, Mutterkühen und Schafen in Gruppenhaltung im Stall und auf der Weide. Der Betrieb bietet sich dabei aufgrund seiner Höhenlage für die Bearbeitung von Fragestellungen im Zusammenhang mit Bergbetrieben und Voralp (Maiensäss) an. Zudem ermöglichen die Wildtiergehege Forschung an Damwild, welche sonst in der Schweiz nirgends möglich ist.

Flug mit dem Gleitschirm über dem Früebüel am 20.04.2018

Neue Perspektive auf den Betriebstandort Früebüel | Flug und Fotos von Joël Bérard

Luftaufnahme

Aufnahme mit Drohne am 22. August 2017 von Thomas Widmer und aufgearbeitet von Malgorzata Sitnik und Joël Bérard.

Meilensteine

  • 1943: Erwerb des Betriebs durch Schweizerische Eidgenossenschaft zum Ausbau und zur Nutzung als Militärstrafanstalt
  • 1989: Übertrag des Früebüel zur Nutzung durch die ETH Zürich als Forschungsbetrieb
  • 2005: Start mit Messstation Graslandwissenschaften
  • 2014: Anschluss an das Hochleistungsnetzwerk
  • 2017: Übernahme der Betriebsführung durch den Strickhof im Rahmen der Kooperation AgroVet-Strickhof
  • 2017: Im November Baubewilligung für den Ausbau des Früebüel mit Damwildgehegen mit Unterständen, Erweiterung des alten Stalles mit Laufstall für die Mutterkuhhaltung, Umbau des Milchviehstalles zu Schafstall und weitere bauliche Anpassungen zur Optimierung des Betriebes.
    >> siehe Projekt

Geschichte

Hochmoor des Walchwiler Berg als Quelle der Energieversorgung während der Weltkriege

Das Hochmoor auf dem Walchwiler Berg spielte im ersten wie auch im zweiten Weltkrieg, neben anderen Hochmooren der Schweiz, eine besonders wichtige Rolle in der Versorgung von Energie. Das Hochmoor ist sehr gross und war gut erschlossen. So wurde während den beiden Weltkriegen zur Energieversorgung der Region wie auch der gesamten Schweiz in diesem Hochmoor viel Torf abgebaut und dies nicht nur mit Stechen per Hand sondern in grossem Stil maschinell. So arbeiteten im Eigenried bis zu 350 Personen von vier Firmen, welche den Torfabbau im Auftrage des Bundes im Rahmen der Kriegsversorgung tätigten. Die Leute wohnten in primitiven Baracken am Rande des Abbaugebietes. Vom maschinellen Abbau zeugen verschiedene Berichte und auch Bilder.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurde bis in die 1960-er-Jahre weiter Torf abgebaut, dies zum Zwecke der Verbesserung der Böden der Hausgärten. Dadurch wurde das Hochmoor Eigenried noch länger durch den Torfabbau beträchtlich geschädigt, da das Hochmoor durch den Abbau austrocknete. Danach lösten Kompostprodukte den Torf als Bodenverbesserer nach und nach ab.

Nach einer Pause nahm man zu der Zeit des zweiten Weltkrieges den Abbau des Torfes wieder auf und man war zuversichtlich, dass auf den rund 10 Hektaren des Hochmoores mit einer Mächtigkeit von 3-5 Metern noch auf Jahre hinaus Torf zur Verfügung stehen werde. In den 60-iger-Jahren wurde man sich der Schädigung bewusst und man gab in der ganzen Schweiz den Torfabbau auf. In der Folge wurde auch die Moorschutzinitiative lanciert, welche zum Schutze der Hochmoore per Bundesverfassung führte.

Zugerberg als Militärstraflager

1943, noch im zweiten Weltkrieg kaufte das Militärdepartement der Schweizerischen Eidgenossenschaft den Früebüel von der Korporation Walchwil zum Zwecke der Errichtung einer Militärstrafanstalt, da die Verlegung der Militärstrafanstalt von St. Maurice VS nötig wurde. Zum Preise von CHF 3'600 pro Hektare, was einen Gesamtkaufpreis von CHF 166'085 entsprach, wurden 46,134 Hektaren von der Korporation Walchwil erstanden. 1944 kaufte das Militärdepartement der Schweizerischen Eidgenossenschaft weitere 15,72 Hektaren Land zu CHF 3'600 pro Hektare von der Korporation Walchwil für CHF 56'581. Somit ist die Fläche des Früebüel im Besitze der Eidgenossenschaft seit 1944 konstant bei 61,9 Hektaren geblieben.

In den Jahren 1943 bis 1988 diente der Früebüel auf dem Zugerberg als militärische Strafanstalt Zugerberg. Während des sowjetisch-afghanischen Krieges (1979–1988) nahm die Schweiz elf von den afghanischen Widerstandskämpfern gefangengenommene Sowjetbürger als Kriegsgefangene auf, da die Widerstandskämpfer nicht in der Lage waren, die Gefangenen gemäss den Genfer Konventionen zu behandeln. Dies geschah im Einvernehmen beider Kriegsparteien, die Unterbringung erfolgte für zwei Jahre auf dem Zugerberg. Die Widerstandskämpfer waren noch während der Nutzung des Früebüel durch die ETH Zürich eine Zeit lang gefangen. Zur militärischen Strafanstalt gehörte der Landwirtschaftsbetrieb sowie vier Wohnhäuser mit insgesamt neun Wohnungen für die Mitarbeitenden inklusive Aufseher. Die Baracken der Sträflinge wurden Anfang der 1990er-Jahre abgerissen. Im Jahr 2010 wurde auch noch der Maschendrahtzaun als Überbleibsel dieser Zeit demontiert (siehe Bild).

Auch nach der Übernahme des Betriebes durch die ETH wurden die Baracken weiterhin durch das Eidgenössische Militärdepartement für Asylanten benutzt. Im Übernahmevertrag war auch geregelt, dass der Betrieb und die Gebäude so aufrechterhalten bleiben müssen damit innert nützlicher Frist, die Funktion als Militärische Strafanstalt wiederaufgenommen werden kann.

Der Früebüel befindet sich auf dem Zugerberg:

Agrovet-Strickhof
Betriebsstandort Früebüel
Früebüel 4, FVG
6318 Walchwil (ZG)

Telefon: +41 58 105 90 12

AgroVet-Strickhof Tagung

Die erste AgroVet-Strickhof Tagung findet am 1. Juli 2019 statt. Sichern Sie sich einen Platz und melden Sie sich heute noch an.

Hier gehts zum Eintrag

AgriTech Day

Landwirtschaft der Zukunft –digital und nachhaltig?

Link zum Eintrag

http://www.ethz.ch/agritech

Umweltfreundlichere Kühe

Rinder fressen viel Soja und sind die grossen Emittenten von Treibhausgasen und dem Luftschadstoff Ammoniak. Neuartige Futterzusätze für Wiederkäuer und eine innovative Kuhtoilette sollen Abhilfe schaffen. Link zum Artikel