1. September 2017

Impressionen zur offiziellen Eröffnung

Nach zehnjähriger Planung und zweijähriger Bauzeit wurde am 1. September AgroVet-Strickhof feierlich eröffnet. Um 10 Uhr begrüsst Ueli Voegeli, Direktor des Strickhofs die rund 250 Eingeladenen im neu erstellten Forum zur Eröffnung von AgroVet-Strickhof. Nach Ansprachen von Markus Kägi, Regierungspräsident Kanton Zürich, Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich sowie Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, welcher Bundesrat Schneider-Ammann vertritt, folgte der offizielle Eröffnungsakt mit dem Enthüllen der Holzkuh.

Anbei Links zu verschiedenen Online-Publikationen:

Das Bauprojekt ist in einer Baubroschüre erläutert:

Impressionen von der Eröffnung am 1. September 2017

Fotos von ETH Zürich / Alessandro Della Bella und Universität Zürich / Frank Brüderli


Ansprachen an der Einweihungsfeier von AgroVet-Strickhof am 1. September 2017

Nachfolgend finden sie die Ansprachen am Eröffnungsevent. Es gilt das gesprochene Wort.

Markus Kägi, Regierungspräsident, Baudirektor des Kantons Zürich


Sehr geehrte Damen und Herren

Der Begriff «AgroVet-Strickhof» hat mich nun schon sehr lange begleitet. Irgendwann hat er begonnen, ein Eigenleben zu führen. Er löste starke Bilder aus und stand für schöne Bauwerke von eindrücklichen Ausmassen in vertrauter Umgebung. Vor dem geistigen Auge bevölkerte sich alles mit Mensch und Vieh, und dann gelangten Vorstellung und Wirklichkeit immer mehr zur Deckung.

Nun, fast exakt zwei Jahre nach dem Spatenstich, ist es definitiv zur Realität geworden. Und da mag die Frage überraschend erscheinen, die sich mir in jüngster Zeit wieder aufgedrängt hat: Was, meine Damen und Herren, weihen wir heute überhaupt ein?

Einen Milchviehstall für zwei Herden, einen Jungvieh- und Rindermaststall, eine Fahrsiloanlage, ein Stroh- und Trockenfutterlager, ein Stoffwechselzentrum, ein Büro- und Laborgebäude und ein Forum. So weit das Raumprogramm.

Keine befriedigende Antwort, nicht wahr? Offenbar trifft diese Summe von Bauwerken den Kern der Sache nicht. Je mehr wir das Einzelne in den Blick fassen, desto mehr entgleitet uns, was der Begriff «AgroVet-Strickhof» tatsächlich bedeutet: ein Ganzes nämlich, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Kein einziger dieser Teile ist vom Typ her neu, es gibt sie bereits in unzähligen Varianten, diese Kuhställe, Silos und Büros. Aber als ein Ganzes hat die Welt so etwas noch nie gesehen. Wir erleben hier etwas Besonderes, meine Damen und Herren: wie eine Idee es fertigbringt, sich Gestalt zu verschaffen.

Zum Kern dieser Idee gehört, dass sich drei Institutionen zusammentaten, die ein würdiges Alter vorweisen können. Die Universität Zürich besteht seit 1833, der Strickhof seit 1853 und die ETH seit 1855. Die maximale Altersdifferenz beträgt somit 22 Jahre, und das ist wahrscheinlich der geringste Unterschied zwischen den drei ungleichen Institutionen. Jede hat ihre eigene Geschichte, Kultur und Zuständigkeit. Das findet nicht einfach so zusammen.

Ohne jetzt die Rolle des Staats überbewerten zu wollen: Der entscheidende Impuls zur Kooperation der drei Institutionen im Bereich der Veterinär- und Nutztierwissenschaften kam von ihm.

Am Anfang stand der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Notwendigkeit, für die landwirtschaftliche Ausbildung neue Formen der Zusammenarbeit zu finden. Deswegen beauftragte der Regierungsrat den Strickhof, sich mehr zu vernetzen und Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen.

In Betracht fielen die umliegenden Kantone, aber die zeigten kein Interesse – ganz im Gegensatz zur ETH Zürich und Universität Zürich. So konnte der Regierungsrat im Juli 2006 die Bildung der Projektgruppe AgroVet-Strickhof beschliessen.

Wesentliche Elemente waren da bereits vorgezeichnet: die Verbindung von Praxis und Hochschule, die ganzheitliche Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette und die Ausnützung der Raumreserven, über die der Strickhof am Standort Lindau verfügt.

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Eine Geschichte nicht ohne Komplexität, schon weil sich der Kanton Zürich und die ETH Zürich die Bauarbeiten teilten, aber doch überstrahlt von der Aussicht auf einmalige Synergien zwischen den Vertretern der landwirtschaftlichen Praxis, den Bildungsfachleuten und den Agrar- und Veterinärwissenschaftlern.

Das verlieh dem Projekt einen unwiderstehlichen Sog, und den verspüre ich auch heute. Auch der Kantonsrat liess sich von ihm erfassen, weswegen er den Objektkredit im Jahr 2014 mit 167 zu 0 Stimmen genehmigte.

Wenn man das fertige Resultat nun betrachtet, verspürt man Begeisterung und Dankbarkeit. Der Kantonsrat verdient unseren Dank, genauso wie unsere Projektpartner und Auftraggeber ETH und Universität Zürich, die politischen Gremien, die Architekten sowie die Planungs- und Baufirmen.

Ich danke auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Baudirektion. Sie entstammen nahezu allen Ämtern, und auch das sagt eine Menge aus über das Format und die Einmaligkeit des Projekts.

Dass AgroVet-Strickhof mehr ist als die Summe seiner Teile, habe ich bereits erwähnt. Doch auch die einzelnen Teile haben es in sich. Denn wir bauen normalerweise Spitäler und Schulhäuser, oder dann sanieren wir ein Barockpalais oder bauen eine Joghurtfabrik um. Aber für Hühner und Kühe bauen wir normalerweise nicht.

Nun wissen wir, wie es geht. Wir haben einen beachtlichen Lernprozess durchlaufen, so dass AgroVet-Strickhof auch für uns zu einem Ort intensiver Weiterbildung geworden ist, und das schon lange vor der Betriebsaufnahme. Das lässt für die Zukunft Grosses erwarten. Ich freue mich darauf!

Herzlichen Dank!

Prof. Dr. Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich und Prof. Dr. Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich


Michael Hengartner:
Sehr geehrte Damen und Herren

Wir eröffnen hier heute ein Leuchtturmprojekt von nationaler und internationaler Ausstrahlung. Ein Projekt, das Agrarwissenschaften, Veterinärmedizin und die Landwirtschaftliche Hochschulbildung miteinander verbindet. Meine Freude ist gross, dass die UZH Teil dieses neuen Zentrums für Tierwissenschaften ist.

Die enge Zusammenarbeit und räumliche Nähe zwischen ETH, UZH und Amt für Landwirtschaft haben am Strickhof Tradition. Der erste Standort des Strickhofs wurde 1853 eröffnet und lag auf dem heutigen Campus Irchel der UZH. Aufgrund Ihres rasanten Wachstums benötigte die Universität diesen Platz aber bald selbst. Deshalb zog die Landwirtschaftsschule Strickhof 1976 an den Standort Lindau.

Zum Glück wird diese räumliche Distanz der UZH zu ihren Partnern Strickhof und ETH Zürich heute wieder reduziert. Ich erhoffe mir dadurch einen Zuwachs an wegweisenden Forschungsergebnissen, die in Ihrer Konsequenz alle zum Wohle der Tiere und der Menschen gereichen werden.

Lino Guzzella:
Ich freue mich ebenfalls sehr, heute wieder in Lindau zu sein, nachdem wir just vor zwei Jahren an dieser Stelle den Spatenstich feiern konnten und – dies bleibt «grossen Buben» wie mir und Michael natürlich besonders in Erinnerung – dabei Traktor fahren konnten. Für die ETH Zürich, meine Damen und Herren, beginnt mit der Inbetriebnahme von AgroVet-Strickhof ein neues Kapitel einer Geschichte, die vor über 10 Jahren ihren Anfang nahm.

Die ETH stellte damals die Weichen, um die Agrarwissenschaften zu stärken. Dies aus der Erkenntnis heraus, dass die Agrarwissenschaften entscheidend sind für die Lösung mehrerer Kernfragen unserer Zeit – Stichworte dazu: eine wachsende Weltbevölkerung, der Klimawandel und eine nachhaltige, gesunde und bezahlbare Ernährung.

Die ETH Zürich gründete in der Folge das Departement Umweltsystemwissenschaften und das Kompetenzzentrum für Welternährung. Zudem beschloss man, im Bereich Nutztiere mit der Universität Zürich und dem Strickhof zusammenzuspannen. Die Idee des Projekts AgroVet-Strickhof nahm allmählich Kontur an.

Michael Hengartner:
Hier bei AgroVet-Strickhof legen wir den Boden zur Beantwortung wichtiger Fragen des 21. Jahrhunderts in Bezug auf Tierwohl und Tiergesundheit. Die Gesunderhaltung von Nutztieren ist nicht nur ein Eigenzweck sondern auch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht wichtig.

Beispielsweise indem die Produktion von hochwertigen tierischen Lebensmitteln nachhaltig sichergestellt wird. Oder indem Krankheitsprävention 1. am Tier, 2. zwischen den Tieren, aber 3. auch zwischen Tier und Mensch praktiziert wird.

Die Veterinärmedizin stellt dabei das Bindeglied zwischen Agrarwissenschaften, Landwirtschaftlicher Praxis und Humanmedizin sowohl in der Nahrungskette als auch im Zusammenleben mit den Tieren dar.

Lino Guzzella:
Durch die Partnerschaft mit der UZH und dem Strickhof eröffneten sich nicht nur betriebliche Synergien, sondern auch ein erheblicher inhaltlicher Mehrwert: Die Nähe von Agrar- und Veterinärwissenschaften sowie von Grundlagenforschung und Praxis ist einzigartig und eine ideale Voraussetzung für neue Ansätze zum Nutzen aller – eine echte Win-Win-Win-Situation also!

Michael Hengartner:
Einer dieser Mehrwerte ist die Optimierung der veterinärmedizinischen Ausbildung. Angehende Tierärzte und Tierärztinnen der UZH lernen bei AgroVet Strickhof die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette kennen. Von den Futtermitteln über das Tier bis hin zu den tierischen Lebensmitteln. «From Feed to Food» oder zu gut Deutsch «vom Gras ins Glas».

Zahlreiche Forschungsprojekte an der Vetsuisse-Fakultät werden von der Interaktion zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft profitieren. Unter anderem beispielsweise bei der Erforschung von Stress bei Nutztieren. Hier hat Prof. Heinrich Bollwein, unser UZH Professor für Nutztiere und Reproduktionsmedizin, wesentlich dazu beitragen, die Auswirkungen von Stress auf Nutztiere besser zu verstehen und neue Ansätze zur Stressreduktion zu entwickeln. Eine weitere Spitzenposition im Bereich Nutztierforschung nehmen Prof. Mike Hässig der der UZH als Titularprofessor für das Fach Klinische Epidemiologie und heute Stv. Leiter Forschung hier bei AgroVet-Strickhof zur Verfügung steht, sowie Prof. Annette Liesegang, unsere UZH Institutsdirektorin für Tierernährung ein. Mit ihrer Forschung haben diese beiden Wissenschaftler dazu beigetragen, dass wir den Einfluss der Ernährung auf das Wohlbefinden der Tiere und auf die Qualität der vom Nutztier stammenden Lebensmittel besser verstehen und dieses Wissen heute auch prophylaktisch – für die Prävention von Krankheiten an Tier und Mensch – verwenden können.

Lino Guzzella:
Im Wettbewerb um die besten Köpfe können wir in Zürich, das gilt sicher auch für unsere Nachbarin, die Universität Zürich, eine Top-Infrastruktur in die Waagschale werfen. Das ist nicht der einzige Grund, dass wir Top-Leute verpflichten können, aber ein wichtiger. Und die Perspektive, in so modernen Forschungseinrichtungen zu arbeiten, wie wir sie heute feierlich eröffnen, hat bei uns eine entscheidende Rolle gespielt für die Verpflichtung neuer Professorinnen und Professoren.

Nebst Michael Kreuzer, unserem Professor für Tierernährung, der das Projekt AgroVet-Strickhof von Anfang an eng begleitete, konnten wir im Jahr 2013 die Tierphysiologie-Professorin Susanne Ulbrich und im Frühling dieses Jahres den Tiergenomik-Professor Hubert Pausch gewinnen. Ihre sich ergänzenden Ansätze erlauben es, Nutztierforschung umfassend zu betreiben.

Geschätzte Damen und Herren, liebe Gäste: Im Namen der ETH Zürich und der Universität Zürich danke ich allen Personen, die in den letzten Jahren mit Herzblut und Engagement zur Realisierung von AgroVet-Strickhof beigetragen haben. Einer Person, die heute leider nicht dabei sein konnte, gebührt an dieser Stelle ein ausdrücklicher Dank. Es ist Roman Boutellier, bis Ende 2014 Vizepräsident für Personal und Ressourcen und sicher eine der treibenden Kräfte hinter diesem Gemeinschaftsprojekt.

Unseren Forschenden und Studierenden, die bei AgroVet-Strickhof wirken werden, wünsche ich viel Freude beim Ausloten der Potenziale, die die neue Plattform bietet. Wir alle dürfen uns freuen und gespannt sein auf die Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte.

Suisse Tier - Nationale Fachmesse für Nutztierhaltung

An der Suisse Tier vom 22. bis 24. November 2019 treffen Sie führende Anbieter und Experten der gesamten Schweizer Nutztierbranche.

Weitere Informationen

AgroVet-Strickhof Tagung

Die erste AgroVet-Strickhof Tagung findet am 1. Juli 2019 statt. Sichern Sie sich einen Platz und melden Sie sich heute noch an.

Hier gehts zum Eintrag

AgriTech Day

Landwirtschaft der Zukunft –digital und nachhaltig?

Link zum Eintrag

http://www.ethz.ch/agritech

Umweltfreundlichere Kühe

Rinder fressen viel Soja und sind die grossen Emittenten von Treibhausgasen und dem Luftschadstoff Ammoniak. Neuartige Futterzusätze für Wiederkäuer und eine innovative Kuhtoilette sollen Abhilfe schaffen. Link zum Artikel